Zeit haben: Tipps für mehr Muße und Eigenzeit.

Bald gibt es Sommerferien. Urlaub. Endlich mal Zeit und Muße haben.
Oder?
Keine Zeit zu haben, ist ein Problem vieler Menschen. Und gilt gleichzeitig als schick. Wer keine Zeit hat, gilt als wichtig. Wer Zeit hat, wird beneidet, ist aber auch fast verdächtig. Was ist mit dem? Warum hat der nichts zu tun? Will niemand was von dem?
Selten haben wir genug Zeit und Muße, und meist muss man sich das eine wie das andere erkämpfen. Wir sind durchgetaktete, durchgeplante Wesen. Schon Kinder ächzen heute unter Stundenplänen – nicht nur in der Schule, auch die Freizeit ist vollständig nach der Uhr durchstrukturiert. Erwachsene stöhnen unter Freizeitstress (manche sogar im Urlaub!) und verplanten Wochenenden.
Wenn Zeit da ist, MUSS sie GENUTZT werden. Alles andere gehört sich nicht, so scheint es. Das Diktat der Zeiteffizienz hat sich vom Arbeitsleben aus verbreitet und verschlingt mittlerweile auch unsere private Zeit. Was mir gerade so auffällt: Zeitvertreib. Was für ein entlarvendes Wort. Warum muss Zeit vertrieben werden?
Dabei ist nichts wichtiger für Kopf und Herz, regelmäßig Muße und freie, unverplante Zeit zu genießen. Die Seele baumeln zu lassen, wie man früher so sagte.

»Was machen Sie? Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen.«
Rahel Antonie Friederike Varnhagen von Ense (1771–1833)

In der Muße entspannen wir, kommen wir zur Ruhe, tauchen die Ideen aus dem Gedankenwirbel auf. Müßige Zeit, Eigenzeit brauchen wir, um gesund zu bleiben. Ich habe darum hier ein paar Tipps für mehr Zeit und Muße im Leben gesammelt:

  • Plane jeden Tag ein „Zeitfenster“ nur für dich selbst ein. Vielleicht nur eine halbe Stunde, vielleicht eine Stunde… Ohne die Zeit zu verplanen. Schau was passiert.
  • Verbanne Multitasking aus deinem Leben. Mache möglichst immer nur eine Sache, und mache eins nach dem anderen. Spart Zeit und schont die Nerven, das ist nachgewiesen.
  • Lass Fünfe gerade sein. Die meisten Tätigkeiten sind irgendwann gut oder gut genug getan, denk an die 80:20-Regel. Zwanghafter Perfektionismus verschlingt Zeit und kostet viel Energie. Wenn du etwas zu erledigen hast, plane dafür ein Zeitlimit ein und halte dich möglichst daran. Nur weil es länger dauert, wird’s trotzdem meist nicht besser.
  • Musst du irgendwo warten, sitzt du im Zug oder stehst im Stau? Betrachte es als geschenkte Zeit. Widerstehe der Versuchung, gleich dein Smartphone zu zücken… Schau was passiert.
  • Nimm dir weniger vor. Muss wirklich jeden Abend, jedes Wochenende ein Termin im Kalender stehen? Im Arbeitsleben: Lerne realistisch einzuschätzen und zu planen, wieviel Zeit du für eine Aufgabe brauchst und was du schaffen kannst.
  • Achte sorgfältig auf dein Freizeitverhalten: Ist es reine Ablenkung und Zerstreuung? Wieviel Zeit verplemperst du sinnlos in social networks oder vor dem Fernseher? Sogar Lesen kann in Flucht ausarten. Julia Cameron empfiehlt in diesem Buch gelegentliches Lesefasten, um in der Muße neues für sich zu entdecken.
  • Aufschieberitis (Prokrastination) frisst Energie und leider auch Zeit. Erledige die Dinge möglichst bald, dann sparst du To-do-Listen-Orga-Zeit und vermeidest den Zeitdruck, der entsteht, wenn plötzlich etwas auf den letzten Drücker erledigt werden muss. Außerdem hast du dann den Kopf und die Hände frei.
  • Freu dich über unverhofft freie Zeit, wenn z.B. ein Termin ausfällt. Verplane sie nicht gleich wieder.
  • Gehe Zeiträuberei in deinem Alltag aus dem Weg: Meide z.B. Leute, die dich ausschließlich und immer wieder mit unwichtigem Quatsch zutexten. Lies keine überflüssigen Mails und bestelle sie ab (Newsletter). Halte Ordnung in deinem Leben und deiner Wohnung – das Leben ist zu kurz, um es mit Suchen zu verplempern.
  • Schaffe dir regelmäßige kleine Pausen und Muße-Inseln im Alltag, so oft du kannst: Gehe z.B. zu Fuß zum Bäcker, statt das Auto zu nehmen, weil es angeblich schneller geht. Genieß den Spaziergang als kleine Auszeit. »Wenn du es eilig hast, gehe langsam«, lautet eine asiatische Weisheit (und der Titel eines Zeitmanagement-Buches von Lothar J. Seiwert).
  • Lerne zu meditieren und praktiziere es regelmäßig. Okay, diese Zeit musst du einplanen. :)
    Du wirst aufmerksamer mit dir umgehen und deine Eigenzeit-Bedürfnisse besser wahrnehmen.

Noch ein paar Lesetipps:
Vom geistreichen Nichtstun, Zeit.de. Lesenswerter Artikel über die Notwendigkeit der Muße.
Rasender Stillstand, brandeins. Über die Zeit und den Umgang mit ihr.
Momo. Der Kinderbuchklassiker von Michael Ende. Heute aktueller denn je.

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